Karen Holländer: Last Summer

Karen Holländer: „In meiner kommenden Ausstellung zeige ich Arbeiten, die im Laufe des letzten Sommers entstanden sind.

Es sind vorwiegend Stillleben, ein Bildthema, das mich schon immer beschäftigt hat.

Mein Fokus liegt auf der Darstellung von Alltagsobjekten, die auch als Metaphern für bestimmte Umstände des menschlichen Daseins gesehen werden können.

Ein Selbstportrait in Form eines Zirkels, der sich in tänzerischer Pose seinen maximalen Radius ausreizend so lange im Uhrzeigersinn um sich selbst dreht,  bis er den Boden unter sich zu verlieren droht.

Das Um -sich -selbst- Drehen setzt sich fort in einer Serie bunter Gummiringe, die frisch vom Finger gewickelt unendliche Variationsmöglichkeiten verknoteter Spannungszustände ergeben, nur so lang, bis sie sich von selbst auflösen und in ihre ursprüngliche Ringform zurückfinden.

Das Phänomen der „Verwicklung“ wurde von mir als Bildkomponente immer wieder aufgegriffen, so wie im Bild „Liaison“, einem Blumenstilleben der etwas anderen Art.

Zwei über die Massen langstielige Gänseblümchen, die aus einer ziemlich verworrenen, labyrinthischen Situation herausgewachsen eine fragile, aber unübertreffliche Haltung und Grazie zur Schau stellen.

Einmal aufmerksam auf ein bestimmtes Phänomen, werde ich zur notorischen Sammlerin.

Im Laufe des letzten Sommers habe ich mich auf meinen Wegen durch die Stadt nicht nur mit der allgegenwärtigen Vogelart Spatz, sondern auch mit all diesen gemeinhin als „Unkraut“ bezeichneten Pflanzen angefreundet, deren Wachstum sich unfreiwillig in Mauerritzen, an Bordsteinkanten oder zwischen Bodenplatten, also an den unmöglichsten und schäbigsten Standorten etabliert, um dort hartnäckig und auf beeindruckende Weise ihre grünblättrige Schönheit zu entfalten, gekrönt von einer oder mehrerer langstieligen Blüten.

So, wie derzeit Mauern als Trägerinnen unterschiedlicher Botschaften genutzt werden, fühle auch ich mich gelegentlich genötigt, meinen besonderen Pflanzenfreunden symbolisch ein schützendes Gewächshaus aus Kreide hinzuzufügen, wohlwissend, dass es vom nächsten Regen weggewaschen und den gegebenen Umständen ohnehin nichts entgegen setzen können würde.“