• XIANWEI ZHU

    The Way of Mountains
  • Xianwei Zhu
    As Clouds Come and Go No. 2, 2025
    Acryl auf Leinwand / acrylic on canvas
    72x53 cm

    Xianwei Zhu

    Ein Maler, der zwischen Ost und West pendelt, der die Fernöstliche Philosophie und Ideenwelt mit jener des Westens in einen Topf wirft, mischt und neu auslegt. Ein moderner Caspar David Friedrich, mit Wurzeln in der Ming-Malerei, gewürzt mit der Weltbetrachtung eines Martin Heideggers. Zuviel des Guten? Eine zu grosse „Mischkulanz“ unterschiedlichster Epochen, geistlicher Gesinnungen und Stile? Keineswegs! Der Maler Xianwei Zhu versteht es, genau dies alles unter einen Hut zu bringen und eine eigene – von Ost und West beeinflusste – Bildsprache zu finden.

    1971 in Qingdao in China geboren und im Zen Buddhismus aufgewachsen, hat Xianwei Zhu während seiner Kunststudien an der Hochschule Shandong und Hangzhou in China seine Liebe und sein Interesse am Westen entdeckt. Die hat ihn nach Stuttgart an die Akademie der Bildenden Künste geführt, wo er ein weiteres Studium absolviert hat. In Folge ist Xianwei Zhu in Deutschland geblieben und hat sich intensiv mit der westlichen Lyrik, Malerei und Philosophie beschäftigt – ein Fremder, der seine neue Heimat erforscht hat. Günter Baumann benennt den Kerngedanken Zhus wie folgt: „Es geht um Heimat in einer globalisierten Realität.“ Der Maler wird „zum Wanderer zwischen den Welten“. Zhu verbindet das zentrale Thema der Ming-Malerei – „Natur und Harmonie“ – mit der „transzendenten Einsamkeit“ eines Caspar David Friedrichs und stellt dem Betrachter in seinem Werk – ganz im Sinne Heideggers – die Frage nach dem Dasein und der Zeitlichkeit.

    Das Auge des Betrachters wandert unaufhörlich über Zhus Bilder, seine dargestellte Landschaft gibt keine klar erkennbare Perspektive vor, alles scheint zu flirren, dunstig ineinander zu vermischen, einen Hauch von Nebel legt sich über das Bild – und dann plötzlich, taucht aus dem scheinbaren Nichts eine Bergspitze auf. Der Himmel geht nahtlos über, in den Gebirgsbach, das Firmament spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, oder doch nicht? Es ist diese Vermischung der Naturerscheinungen, welche die Zen Philosophie transportiert – keine Grenze ist mehr ausmachbar, das Oben wird zum Unten und umgekehrt. Und noch etwas macht Zhus Landschaft aus: der Mensch, welcher stets klein und unscheinbar in der erhabenen Landschaft zu finden ist. Ein klarer Hinweis darauf, dass das Menschsein einzig Teil eines grossen Ganzen ist.

    Stimmungsvolle Bilder, deren Interpretation und Wirkung individuell ausgelegt werden, deren Inhalt meist die Natur ist. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch Xianwei Zhus Bildwelt und manifestiert die Daseinsberechtigung und das Sein – aber gleichsam auch die Endlichkeit – der Menschheit. Der Maler sieht sich als Wanderer, als ein Entdecker dieser Welt, und der Betrachter seiner Werke wird bei jedem intensiven Blick auf eine neue Suche geschickt, welche stets Neues offenbart.

     

    „Die Leute fragen nach dem Han Shan Weg
    Han Shan? Kein Pfad führt euch dorthin
    Hier schmilzt das Eis auch spät im Sommer nicht
    Im Nebel steigt die Sonne blass wie der Mond
    Und ich, wie ist es mir gelungen?
    Mein Sinn ist nicht dem euren gleich-
    Wenn euer Sinn wie meiner wäre
                 Dann führte er auch euch hierher“

    (Han Shan, Kalter Berg 62, 7. Jahrhundert[1])

     

    Eva-Maria Bechter, Februar 2026



    [1] Han Shan ist ein chinesischer Dichter des 7. Jahrhundert.

  • Xianwei Zhu

  • Ich wohne seit vielen Jahren am Kalten Berg.
    Zehntausend Wege – keiner führt hierher.
    Sommer wie Winter bleibt der Fels im Nebel,
    im Frühling spriesst Gras zwischen alten Kiefern.

     

    Niemand kommt, um mit mir zu sprechen,
    nur der Wind bringt die Stimmen der Welt.
    Wenn einer nach dem Weg zum Kalten Berg fragt –
    sein Herz muss still sein wie meines.

     

    Han Shan "Der Kalte Berg"

  • Xianwei Zhu, Poet Under Tree No. 1, 2015
  • Das runde Bildformat Das runde Bildformat Das runde Bildformat Das runde Bildformat

    Das runde Bildformat

    Der westlich geschulte Betrachter ist es gewohnt in einem horizontalen Gemälde eine Landschaft auszumachen. Die klare Horizontstruktur trägt ihres dazu bei. Xianwei Zhu verlässt diese Tradition immer wieder – nicht nur in seinen hochformatigen Landschaftsbildern – sondern auch in seinem runden Bildformat: dem Tondo. Dadurch wird der Blick des Betrachters nicht in die Ferne gelenkt, sondern bündelt sich, da sich die Komposition um ein Zentrum kreist.

    Was in der horizontalen Bildbetrachtung zum Ausschnitt aus der Wirklichkeit wird, bekommt hier einen autonomen Kosmos, welche den atmosphärischen Charakter der Landschaft hervorhebt. Mit dem Blick auf die Vergangenheit wird das Tondo-Format historisch immer wieder in den sakralen oder repräsentativen Raum verordnet und bekommt so in der Zeitgenössischen Auseinandersetzung eine klare Autonomie: das Bild steht im Zentrum, ein Bild mit meditativer, gar kontemplativer Wirkung.

  • Xianwei Zhu, still water run deep , 2024
  • XIANWEI ZHU

    XIANWEI ZHU

    Geboren 1971 in Qingdao, China

     

    1989-1993 Studium der Kunsterziehung an der Hochschule Shandong/China

    1993-1996 Postgraduiertenstudium der Malerei an der Kunstakademie Hangzhou/China

    1996-2000 Dozent an der Universität Qingdao/China

    2001-2003 Aufbaustudium der Freien Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Cordula Güdemann

    2008 Studium der Freien Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Cordula Güdemann. Diplom Freie Malerei 

    2009 Lehrauftrag an der Merzakademie Stuttgart

    2010-2012 Gastprofessor an der Filmakademie Peking/China

    2016 -2020 Gastprofessor an der Kunstakademie Yun Nan/China 

    2020 Lehrauftrag an der Technische Universität Dortmund

     

    Lebt und arbeitet in Stuttgart und Krefeld

     

    Seine Werke sind u.a. in folgen Sammlungen:

     

    Staatsgalerie Stuttgart   -   Regierungspräsidium Stuttgart   -    Sammlung Land Baden-Württemberg   -   Sammlung Museum Angerlehner, Wels, Österreich   -   Kunstmuseum Singen   -   Sammlung Stadt Singen   -   Sammlung Stadt Ahaus   -   Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen   -   Sammlung Wemhöner   -   Bankhaus Ellwanger & Geiger Stuttgart   -   Hypo Vereinsbank Stuttgart   -   private Sammlungen

  • bechter kastowsky galerie
    ART SALON ZÜRICH, 2025

    bechter kastowsky galerie

    Poststrasse 48

    9494 Schaan

    Liechtenstein 

     

    www.bechterkastowsky.com 

     

    Eva-Maria Bechter: eva@bechterkastowsky.com

    Robert Kastowsky: robert@bechterkastowsky.com