Hoch, hoch erhaben über allen Gipfeln. Wohin ich blicke - grenzenlose Weite.

Niemand weiß, dass ich hier sitze. Im kalten Bach spiegelt sich einsam der Mond.

Doch in dem Bach, das ist nicht der Mond. Der Mond selbst steht am schwarzen 
Himmel. 

Ich singe dieses Lied für euch. Im Lied ist allerdings kein Zen.

Hanshan, (ca 691~793)Gedicht vom kalten Berg No. 83

Xianwei Zhu ist ein Wanderer zwischen den Welten, zwischen Asien und Europa, Deutschland und China. In seiner Malerei führt Xianwei Zhu die beiden Traditionen zusammen, wobei er sich oft an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion aufhält. Aus bewegten malerischen Gesten öffnet der Künstler stilisierte Landschaftsräume, in denen er rätselhafte gegenständliche Details, Architekturen und vereinzelte menschliche Figuren auftauchen lässt. In gedeckten Klängen aus Blau, Weiß und Schwarz, entfalten seine Farbräume feine poetische Stimmungen.

Es ist eine eigentümlich Melancholie in Xianwei Zhus Malerei, eine Sehnsucht erfüllt die Räume seiner Bilder. Sie ist Ausdruck der Ortlosigkeit des modernen Menschen, seiner Verlorenheit im Lärm der technisierten, digitalisierten Gegenwart. Gleichzeitig zeigt sich in dieser Sehnsucht die Hoffnung, dass der Mensch seinen Ort in der Kraft, in der Schönheit der Natur finden kann. Auch heute noch - wie vor Jahrhunderten.

 

Dr. Tobias Wall