Übersicht
"Ich bin ein Kirchenmaler ohne Kirche. Und ohne Religion."

Geprägt vom Philosophen Friedrich Nietzsche, der fernöstlichen Philosophie, der Psychoanalyse, dem Geist des Weingottes Dionysos und der tiefen Verwurzelung des christlichen Katholizismus entsteht so ein Oeuvre das nichts weiteres offenbaren will als die Sinnlichkeit. 

 

Als Nitsch 1962 zusammen mit seinen Künstlerkollegen Mühl, Brus und Schwarzkolger den «Wiener Aktionismus» begründete, legte er den Grundstein für sein späteres Schaffen. Heute umfasst sein Werk neben der Malerei auch die Musik, das Theater und die Zeichnung. Sein von ihm ins Leben gerufene Orgien-Mysterien-Theater holt den Betrachter in den Tiefen seiner selbst ab. Mit allen Sinnen wird die Welt begriffen: Geruch, Tastsinn, Gehör und das Schauen gehen Hand in Hand und Nitsch selber führt bis heute Regie all dieser Sinne. 

 

Anfänglich als Staatsfeind verachtet und später ausgezeichnet durch das Verdienstkreuz Österreichs, gehört Nitsch heute zu den authentischen Personen im Kunstbetrieb. Seine Werke zeugen von einer Kraft und einer Dringlichkeit nach sublimer Bewunderung, wie es seines Gleichen nur mehr in wenigen Bereichen der Kunst gibt.

 

Werke
Lebenslauf

Hermann Nitsch lebte und arbeitete in Mistelbach, Österreich 

geboren 1938 in Wien · gestorben 2022 in Mistelbach

 

"Meine zeichnerische Begabung ermöglichte mir ein Studium an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Dort erhielt ich eine gute künstlerische Grundausbildung. Ich entwickelte mich vom Naturstudium zur abstrakten Malerei. Ich interessierte mich auch für Poesie, Theater und klassische Musik. Ich war fasziniert von den Gesamtkunst-Ansätzen der griechischen Tragödie, Claudio Monteverdi, Richard Wagner, Richard Strauss, Claude Debussy, Alexander Skrjabin, Wassily Kandisky und Arnold Schoenberg. Philosophie, vergleichende Religionswissenschaft und Psychoanalyse, die Mystik aller Religionen interessierten mich. Ich hatte intime Erfahrungen mit der Natur. Nach Abschluss meines Studiums 1958 wurde ich Grafiker am Technischen Museum Wien. Dort bezog ich ein großes Atelier und konnte viel an den Partituren des Orgien-Mysterien-Theaters arbeiten. Ich versuchte, ein 6-tägiges Originaldrama zu schreiben, das antike Tragödien, Shakespeare, Faust, Kleist und Wagner miteinander verbindet und zusammenführt. Informiert durch Freud und Jung wollte ich tiefenpsychologisch gedeutete Erlösungsmythen in meine Arbeit einbeziehen. Die Schauspieler sollten ihre Rollen sprechen. Die Sprache war voll von sinnlichen Bildern. Das Buch "die wortdichtung des o.m. theaters" illustriert diese Entwicklungsphase meiner Arbeit. Warum soll sich mein Publikum nur von den verbal zitierten Erinnerungen an sinnliche Empfindungen beeindrucken lassen. Ich fordere mein Publikum auf, direkt sinnlich zu erleben. Es gab Anweisungen zu schmecken, zu riechen, zu sehen, zu hören und zu tasten. Fleisch, Weide und Früchte wurden dem Publikum zum Anfassen gegeben. Gerüche wurden verströmt, Weihrauch und andere Flüssigkeiten wie Blut, Urin, Benzin, Terpentin, Amoniak, Essig, heißes Wasser und Milch (wurden) im Theater verschüttet. So entstand das Orgien-Mysterien-Theater, durch das die Sprache transzendiert wurde. Nur reale Ereignisse sollten dargestellt werden. Das Orgien-Mysterien-Theater war geboren." 

 

(Hermann Nitsch)

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